Usbekistan

asdasda
Usbekistan Bildergalerie

 

2.-23. Juni 2006

Unsere Reise nach Usbekistan, in dieses historisch faszinierende Land an der Seidenstraße, beginnt mit einem Flug nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans.

 

Mein Mann Robert und unser Freund Günter sind mit von der Partie. Mit Turkish Airline über Istanbul, was sich als schlau herausstellt, zumal wir statt langer Warterei auf den Anschlussflug gleich ein paar Stunden im Zentrum Istanbuls verbringen können. Die 15 Euro fürs Visum ist uns dieser kleine Ausflug wert. Von hier sind es noch mal viereinhalb Stunden Flugzeit.
3. Juni
5.30 Uhr Ortszeit, wir landen! Gerade geht die Sonne auf und es verspricht, ein herrlicher Tag zu werden. Die Einreise gestaltet sich etwas mühsam. Eine Stunde Warten aufs Gepäck – eigentlich möchte ich nicht ohne meinen Schlafsack reisen !! – eine weitere Stunde warten, bis uns der verschlafene Beamte einen Stempel in unseren Pass drückt. Ab dann klappt alles, wie am Schnürchen. Wir werden abgeholt und das Hotel „Poytaht“ ist ganz neu und recht passabel. Habe die ärgsten Schauergeschichten über die Hotels Usbekistans gehört. Aber auch hier dürfte der Ausbau der Infrastruktur ziemlich schnell vorangegangen sein. Das wirkliche Abenteuer ist das Geldwechseln. In welcher Tasche werde ich die Stöße von SUMs unterbringen, die ich erhalten habe??? Ich komme mir vor, wie nach einem Bankraub. Nachdem jeder Stoß von ca. 5 cm mit einem Gummiring zusammengehalten wird, schmeiß ich erst mal alles in meinen Rucksack. Nein, ich habe nicht 10 000 Euro gewechselt, es waren 100 Dollar!!!!!Scheinbar viel zu viel!!!

Drei Deutsche, die noch zu unserer „Gruppe” dazu stoßen sollen, kommen erst heute Nacht. Also machen wir uns zu dritt auf den Weg, diese Stadt zu erobern. Uns erwartet eine modernes Zentrum mit vielen Alleen, Bäumen, Parks. Beim näheren Hinschauen ist es eine Mixtur aus modernen Gebäuden, traditionellen Häusern und islamischen Moscheen. Im Timur Park sitzen alte Herren beim Schachspiel, die ihren Lebensunterhalt mit diesem Spiel verdienen. Robert, eigentlich ein guter Schachspieler, hat noch selten so schnell einen Stapel Geld verloren. Gut, dass wir so viel davon haben…. Frauen in langen Kleidern aus geblümten „Vorhangstoffen“ und Männer mit ihren traditionellen Kopfbedeckungen flanieren herum – wir tun es Ihnen nach.

Wirklich sehenswert ist die U-Bahn. Die Fahrt kostet fast nichts. Es gibt drei Linien, wir benutzen sie alle. Die Züge alt und hässlich, die Stationen umso moderner. Jede anders, mit Marmor, großen Lustern, Stuck und Mosaiken und alle haben ein Thema. Eine heißt z.B. Kosmonautik, tatsächlich kommt man sich vor wie in einer Raumstation. Die Usbeken sind mächtig stolz auf ihre U-Bahn, deshalb auch strengstes Fotografierverbot. Wir könnten uns ja was abschauen.

Der Besuch der großen Markthalle – von außen schöner als von innen – und einer Medrese beschließen unseren Tag. Wir nützen den Hotelpool und wappnen uns für den nächsten Tag.
4. Juni
Endlich „Rundreise“!!! 3 Deutsche schließen sich dem österreichischen Trio an. Ein Ehepaar aus Wanzleben (weiss bis heute nicht, wo das ist) und Annette aus Hannover. Fahrt nach Beldersey, ein Ausflugsort 80 km von Taschkent, an den Ausläufern des Tienschan. Ein absolut untypisches Berghotel erwartet uns, elegant – fast nobel – großzügige Zimmer, Stilmöbel, dunkelgrüner Samt. Sind wir wirklich in Usbekistan??? Gewiss ist es ein Platz für die gaaanz Reichen :-))
Beim Versuch, auf den Berg Beldersey zu gelangen, werden wir von zwei Militärs willkürlich zurückgepfiffen – man darf nicht raufgehen!! Man darf nur rauffahren (schräg). Also den Weg zurück und mit einem klapprigen Sessellift auf den Gipfel. (ich wollte sowieso nicht unbedingt wandern, aber die anderen!!) Die Fahrt lohnt sich, auf den Bergen liegt noch Schnee und die Pferde, die man oben mieten kann, (ich miete natürlich – eh klar!) bringen uns noch ein Stück höher zu einer Anhöhe mit herrlichem Panoramablick. Wir sind von Blumenwiesen umgeben, vor allem die grauen Lilien haben es mir angetan. Hab ich noch nie gesehen.
Unter viel Gelächter besteigen wir wieder unseren Klapperlift und marschieren anschließend zu unserem Quartier zurück. In unserem „Luxushotel“ geht leider am Abend das Bier aus, wir haben aber trotzdem viel Spaß, als wir die letzte Flasche durch sechs teilen. Zu Essen gibt’s Plow, die usbekische Nationalspeise. Reis, Hammel, Gemüse. Sehr schmackhaft aber sehr fett. Danach absoluter Wiskeyzwang!!!

5. Juni

Fahrt in den nahegelegenen Ort Tschimgan, auch ein Schiort, unweit von Beldersey. Entlang eines Gebirgsbaches wandern wir zu einem Schneefeld. Leider haben wir unsere „Stadtschuhe“ an und es ist etwas mühsam. Hauptsache, wir hatten in Istanbul die Bergschuhe an :-)) Aber es geht. Schöne Blumen, verschneite Gipfel und sogar einige Schitourengeher. Zu Mittag brechen wir wieder auf, Richtung Taschkent. Die Fußgängerzone mit ihren Standln und Buden bietet uns noch gute Unterhaltung und auch die Stunde beim Pool ist nicht zu verachten. Abends probier ich usbekischen Rotwein – ich sollte es bereuen.

6. Juni

Wetter leicht diesig, leider auch in meinem Kopf. Der usbekische Rotwein zeigt seine Wirkung. Heute morgen kein Programm, also nur ein Spaziergang im Timurpark. Außerdem besorgen wir uns Opernkarten für unseren letzten Tag in Taschkent auf der Rückreise. Das Taxi zur Oper kostet mehr als die Karten. Die beste Kategorie wechselt um ca. einen Euro pro Karte den Besitzer. IRR!!! Jetzt aber zum Flughafen. Nach einer guten Stunde Flug gen Westen, landen wir in Urgentsch und fahren dann 40 km ins drückendheisse Chiwa. Chiwa ist UNESCO Weltkulturerbe und wir sollten auch bald wissen, warum! Die Anfänge der Stadt reichen ins 8. Jhd. zurück und es scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Im Hotel „Zafabek“ sind wir in der Altstadt recht gut untergebracht.  Wir müssen auch unmittelbar auf die Stadtmauer, bis zur Stadtführung können wir nicht warten. Die Stadt wirkt um die Mittagszeit ausgestorben, kein Mensch auf der Straße. Großartig die Shiluette von oben. Minarette, Moscheen, Medresen und dazwischen Lehmhäuser in diversesten Gelb- und Ockerschattierungen.

7. Juni

Ausflug zu den Ruinenstädten Ayaz Kale und Toprak Kale. Eigentlich nur Lehmhaufen aber das Marschieren durch die Wüste ist ganz interessant. Zu Mittag ziehen wir auf den Markt. Sehr groß, aber irgendwie komisch. Niemand preist seine Waren an. komme mir nicht vor, wie auf einem orientalischen Markt. Ich wende mich mit meiner neuerstandenen Digicam wieder der Stadt Chiwa zu. In kürzester Zeit schiesse ich 500 Bilder.  Das neue Zauberwort heisst Baltica 3 und ist ein heimisches Bier! Wie sich einige Flaschen bei 30 Grad auswirken muss hier nicht näher besprochen werden….. Abendessen der besonderen Art im Palast des letzten Emirs. Er wollte hier einen Palast nach europäischem Vorbild bauen und daraus entstand eine ziemlich kitschige plüschige Angelegenheit. Wir trinken recht guten  trockenen Rotwein und als Anette, eine ganz liebe Mitreisende aus Hannover zu Tode betrübt ist, weil eine Sternwarte verfallen ist und es jetzt nur mehr ein 11 Meter tiefes Loch gibt, gibt ein Wort das andere und wir können uns vor Lachen nicht mehr halten. Sogar die stille Barbara lacht, bis ihr die Tränen übers Gesicht laufen und der Abend endet zieklich lustig und feuchtfröhlich.

8. Juni

Eine 470 km lange Fahrt durch die „rote“ Wüste Kisilkum Richtung Buchara liegt vor uns.  Erst viel Landwirtschaft, auf einer Eisenbahnbrücke  überqueren wir den Fluss , dann nur mehr Wüste mit Sandsturm. Froh sind wir, als wir um 1/2 4 in Buchara ankommen. Eine sehr sehr nette, lebendige Stadt. Wir wohnen gleich beim Wasserbecken Labi e-Haus, wo sich die Lokale drängen und sich das Leben abspielt. Sofort jetzt aber wieder mit der Kamera bewaffnet in die Stadt und den Basar, der großartig ist. Sofort habe ich Trophäen in Form von sehr schönen Miniaturmalereien. Abends am Labi e-Haus essen wir Köftös und trinken viel sehr gutes, offenes Bier und  noch mehr Wodka. Wir machen auch Bekanntschaft mit einer großen Familie, die am Nebentisch sitzt und uns voll in Beschlag nimmt. Dürften begütert sein, zumindest zeigt uns eine Dame eine Reihe goldener Zähne. („Goldzähnchen“ ist in der Bildergalerie zu bewundern)

9. Juni

Die Nacht war nicht meine Beste, noch dazu habe ich das Gefühl, dass es immer heisser wird. Ein Bus bringt uns nach Chor Bakr, die „Stadt der Mausoleen“ aus dem 16. Jahrhundert (Foto, Foto, Foto….), zurück in Buchara gehen wir auf Schnäppchenjagd in den überdachten Basar, wo wir Männern beim Schachspiel zuschauen und auch auf viele freundliche Menschen stossen. Für eine Foto rücken sie auch noch ihre Kinder ins rechte Licht. Nach der Festung Ark, der Medrese Miri-Arab und der Moschee Kalon sind wir so erschöpft, dass wir eine Bierpause brauchen. Wir genießen den schattigen Hof in unserem Hotel und verspeisen noch eine der berühmten usbekischen Wassermelonen.

Unsere Führerin ist ziemlich „russisch“! Sie treibt uns im Affentempo von einer Medrese zur Nächsten.  Die abendliche Folklore in einer wunderschönen Medrese ist echt entbehrlich, eine matte Sache, das Essen dagegen erstaunlich gut.

10. Juni

Chor-Minor, eine Moschee mit 4 Minaretten, kennen wir schon aus allen Führern. Es ist das Wahrzeichen Bucharas. Jetzt stehen wir davor und ich finde sie viel kleiner als erwartet. Der Himmel wieder strahlend blau. Die Fotos dürften ganz gut werden!

Auch der Sommerpalast des letzten regierenden Emirs gibt fototechnisch einiges her. Gerade sind hier die Marillen reif und ich kann es mir nicht verkneifen, gleich einige zu ernten.

Am Hinweg haben wir den Großmarkt von Buchara gesehen. Natürlich fordern wir Frauen einen „Infomationsstopp“. Man muss sich schließlich über die Marktsituation Usbekistans schlau machen.  Ich erstehe 4 Meter grüne Seide, vielleicht mach ich mir ein Tischtuch draus. Annette und ich fordern auch noch die Besichtigung der Moschee Namazgoch (heute ist der Tag der Wünsche 🙂 Eine sehr alte Moschee mit Säulen und kunstvollster Holzdecke. Ein 92jähriger Usbeke erzählt uns von seinem Einsatz im Krieg gegen die Deutschen. Er beeindruckt mich sehr. Er hat so wache Augen! und ich könnte ihm ewig zuhören, auch wenn wir unserem Guide zum Überstzen brauchen.

Wiedereinmal Melonenjause. 8 kg Wassermelone und eine Zuckermelone kosten umgerechnet einen Euro!

Bevor wir Buchara verlassen solls nochmals hoch hinauf gehen. Mit Günter, unserem Bergsteiger, bezwingen wir das Minrett der Moschee Kalon. 46m Stufen, sehr steil, sehr finster, sehr heiß!!! Doch die Aussicht belohnt. Wir haben den Ark und die riesige Moschee zu Füßen. Reisegruppen und Einheimische sehen am Vorplatz wie Ameisenstraßen aus. Auch die prunkvolle Fassade der Miri Arab Moschee ist zum Greifen nah.

Was ist noch zu tun in Buchara? Puppentheater lautet die Antwort. Puppentheater und „menschliche“ Szenen sind in einem Stück vereint. Ist für mein Befinden nicht sehr spektakulär. Als die 3/4 Stunde um ist, sind wir froh und unterhalten uns dann weit besser bei Köftö und Bier in unserem Stammlokal am Labi Hauz.

11. Juni

Endlich beginnt unser Wüstenabenteuer. Über Nurata (Ruinen der Festung Alexander/Großen) erreichen wir nach 3 Stunden Fahrt das dorf Yangikazgan. Von dort ists nicht mehr weit zu unserem Jurtencamp. Na das ist ein Spass. Wir haben ein Riesiges Zelt. Es könnten gut und gerne 8 Leute hier nächtigen. Wir beziehen gemeinsam mit Günther Quartier und auch unsere Annette will bei uns sein, weil es einfach lustiger ist, als bei ihren deutschen Landsleuten. ( 🙂 verstehen wir voll und ganz!

In einem sehr unromantischen Armeezelt ist die Küche und der Speiseraum untergebracht. Es gibt Plov, die Nationalspeise. Fette Hammelsuppe. Angeblich gibt es 90 Varianten dieser Speise. Ich denke, wir haben es hier auf alle Fälle mit der Fettesten zu tun. Zum Glück auch Gurken und Tomaten. Ist aber auch nicht so wichtig, das Essen. Ganz andere Attraktionen warten auf uns. Zum Beispiel im Moment die Kamele, die schon sehnsüchtig auf den Ausflug mit den Touristen warten.  Zuerst aber 3 Stunden Mittagsschlaf in der Jurte., Es ist verdammt heiß aber auch irgendwie beschaulich. Ich döse dahin und hab nichts anderes zu tun, das Windspiel zu beobachten, dass sich gemächlich unter der Dachöffnung dreht und dreht und dreht…..

Der Kamelritt wird sehr sehr nett, Es ist ein Erlebnis, so zu acht in der Wüste herumzustaksen. Alle, die gesagt haben, sie reiten nicht, sitzen jetzt oben und am meisten begeistert.

Am Abend nach einem wunderschönen Sonnenuntergang wieder Polv, Lagerfeuer und Musik. Doch zuvor eine spektakuläre Begegnung mit einer Tarantel, die im Küchenzelt die Wände hochklettert. Selbst die Einheimischen sind aufs Höchste erregt, verfolgen die Bestie und erschlagen Sie ganz unsanft. Angst macht sich bei mir breit und wir alle beschließen die Nacht im Freien auf dem Hochbett zu verbringen, wo sich die Tiere nicht verkriechen. Es sollte die schönste Nacht meines Lebens werden!!!! Und das nicht (nur) wegen Robert an meiner Seite, sondern wegen der Stille, dem Sternenhimmel dem Vollmond und eine Stimmung die mich schwerelos werden läßt.

12. Juni

Obwohl Murad, unser Guide, darauf drängt, heute schon nach Samarkand zu fahren, verweigern wir, und das nicht nur, weil es im Programm steht. Wir wollen heute Baden im Aydarkul-See. Das Wasser hat 28 Grad, wir liegen am flachen Strand, zu Mittag gebratenen Fisch, was einen Wohlfühlfaktor von min. 10 ergibt. Was ich jetzt noch nicht weiss, dass wir uns alle einen unangenehmen Sonnenbrand geholt haben. Da waren wir doch zu unvorsichtig.

Um 3 sind wir im Camp zurück. Wieder entdecken wir eine Tarantel, aber auch einen 80 cm langen Waran. Wir werden heute wohl wieder im Freien schlafen.  Heute Abend Hammel mit Kraut. Es ist unverständlich, wie die bei so einer Hitze so schwer essen können. …. Es gibt hier viele Fragen, meist ist WODKA die Antwort.

13. Juni

Ich liebe meinen Geburtstag! Gleich beim Aufwachen ein Ständchen und Barbara hat mir aus Klopapier und Wüstenblumen ein Sträußchen gedreht. Ich bin zutiefst gerührt.

Jetzt gehts nach Samarkand. Ich kann es kaum erwarten. Ist es für mich doch der Höhepunkt und der „klingendste“ Ort der Seidenstraße. Nach knapp 5 Stunden Fahrt ist es soweit: Ich stehe auf dem Registanplatz, inmitten dreier gewaltiger Bauwerke und lasse alles, was ich hier von der alten Zeit spüren kann, auf mich wirken. Ein magischer Moment.

 

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Fortsetzung folgt……

 

 

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